Der Vormittag mit den Schweinen
Ein Ort, der sich Prickings-Hof nennt, ist im Ruhrgebiet recht bekannt. Busunternehmen bieten Tagesausflüge dorthin an, Kaffeefahrten sorgen für einen stetigen Strom für Senioren. In der vergangenen Woche wollten wir es wissen: Wie toll kann ein solcher Ort sein? Also Website besucht und erfahren, dass es ein Museum mit über 1.000 liebevoll restaurierte Maschinen, landwirtschaftlichen Geräten und Traktoren gibt, sowie einen Park draußen, den »Freizeit- und Besinnungspark« zum Eintrittspreis von 4,00 Euro pro Person. Das »Museum« inklusive Tierschau kostet dann erneut 5 Euro pro Person. Der Park ist von der Größe her recht übersichtlich, im hinteren Bereich gibt es einen kleinen Streichelzoo mit ein paar Ziegen und ein paar Eseln, zudem einen »Kreuzweg«, einen kleinen Garten mit Störchen und einen Bereich mit ein paar Tieren aus dem bäuerlichen Bereich. Spielgeräte oder einen Spielplatz hat der Park nicht zu bieten. Halt! Doch! Es gab eine kleine Eisenbahn mit Pferdewagen im Eingangsbereich. Hier kostet jede Fahrt jedoch 50 Cent. In Frakturschrift sind an jeder freien Stelle (gefühlt) Zitate des Hofbegründers »Bauer Ewald« aufgemalt: Sinnsprüche, Aussprüche zu Fleiß, Heimatliebe, Katholizismus etc. Überhaupt sehr sympathisch, wie man Besucher des Parks alle paar Meter mit einem Glaubensbekenntnis beglückt. Dieses Phänomen wird auch in der Tierschau wiederkehren. Allerdings hier ergänzt um eine ausführliche Selbstdarstellung der Besitzerfamilie durch Familienfotos und Bewerbung eines Buches über den Hof.
Die Selbstdarstellung des Parks und der Familie und insbesondere von »Bauer Ewald« zieht sich wie ein roter Faden durch den gesamten Betrieb.
Das Museum mit der Möglichkeit die Tieraufzucht zu besichtigen, ist ein Sammelsurium von Landmaschinen (einige schon arg verstaubt) und Cadillacs und richtig, auch hier steht auf jedem Fahrzeug, dass es »Bauer Ewald« gehört und zwar unübersehbar. Es gibt einige ergänzende Schaukästen mit gesprochenen Erklärungen, doch die müsste man jeweils mit 50 Cent aktivieren. Die Besichtigung der Tieraufzucht ist der Höhepunkt des ganzen Spektakels: Interessant zu sehen und interessant zu erfahren, wie industrielle Fleischproduktion heute funktioniert. Die fixierten Schweine und die zusammengedrängten Rinder in den Ställen entsprechen in der Regel jedoch nicht den romantischen Vorstellungen eines »Bauernhofes« von Kindern und sind ganz gut dazu geeignet, emotional zugängliche Kinder zu Vegetariern zu erziehen:

Die Produkte aus dieser Aufzucht werden später auch zum Kauf angeboten und täglich soll man dort ein halbes Schwein gewinnen können. Auch Wurst aus dem Automaten für 2 Euro ist zu haben.
Ein toller Vormittag, wenn man die nötige ironische Distanz mitbringt und das ganze als oldschool Bespaßung betrachtet.